Warum nimmt uns keiner
mehr wahr?

Von Chefredakteur Andreas Götze


 

EDITORIAL
Machen wir uns nichts vor: Das deutsche Kunstturnen, speziell deren männliche Fraktion, steckt in seiner tiefsten Krise. Das wird auch die EM in Patras zeigen. "Doch Jammern und Wehklagen hilft nicht weiter", schreibt DTB-Präsident Rainer Brechtken in seinem Kommentar in "Deutsches Turnen", meint damit allerdings etwas anderes. "Wir müssen es als unsere Aufgabe annehmen, die öffentliche Wahrnehmung unserer Sportarten Turnen und Gymnastik zu verbessern."
Beides allerdings, Leistung und Wahrnehmung, hängen unmittelbar zusammen. Keine Leistung - keine öffentliche Wahrnehmung - kein Sponsoreninteresse - kein Geld. Letzteres als eine Art Doppelstrafe: Die Fördermittel des Staates gehen zurück und die Sponsoren rücken auch nichts mehr raus. Eine vertrackte Situation.

Für meinen Geschmack wird derzeit im Turnerbund etwas zu laut über mangelnde Medienpräsenz lamentiert. Zweifellos müssen wir über ein transparenteres Regelwerk nachdenken, über attraktivere Wettkampfformen, über eine Bundesliga, die Aufsehen erregt (siehe Seiten 14/15). Doch in erster Linie sollte es darum gehen: Wie werden wir wieder international konkurrenzfähig? 

Die RTL-Skisprung-Euphorie gäbe es nicht ohne Hannawald und Schmitt... Wo sind unsere potenziellen Weltmeister und Olympiasieger? Es bräuchten ja noch nicht einmal jene "Typen" zu sein, die ZDF-Reporter Christoph Hamm vermisst.

Leistung ist der Werbefaktor Nr. 1, denn unter fehlendem internationalen Renommee haben alle zu leiden: die Veranstalter internationaler Turniere in Cottbus, Hannover, Berlin und Stuttgart genauso wie die Bundesliga und der Nachwuchs in den Leistungszentren. Dass man sich auch über die öffentlichkeitswirksame Präsentation Gedanken machen muss, versteht sich fast von selbst. Zumal, wenn die vorhanden Möglichkeiten noch nicht einmal richtig genutzt werden. Da findet beispielsweise die EM-Qualifikation der Männer im stillen (Kienbaum-) Kämmerlein statt und die Erfahrungen einer professionellen Agentur wie GYMmedia - hinsichtlich der Internetpräsenz Spitzenreiter in Europa - werden so gut wie nicht genutzt... "Wie auf einer Großbaustelle werkeln viele Handwerker an verschiedenen Stellen im DTB", kritisiert Rainer Brechtken.

Richtig - wie das meiste, was in letzter Zeit vom Präsidenten zu hören war. Jetzt kann man, und das betrifft vor allem die anzustrebende Leistungssteigerung, nur noch zitieren: Der Worte sind genug gewechselt - nun lasst uns endlich Taten sehen!
Ihr

Andreas Götze

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