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Kommentiert Wie lange will man sich das noch gefallen lassen? Es ist nicht einfach zu turnen, wenn die ganze Halle von Buh-Rufen widerhallt - wer kann das schon wegstecken, selbst wenn es nicht persönlich gemeint ist? Die aufgeheizte Atmosphäre in Saragossa, als schon beim Einmarsch die Kampfrichterinnen ausgebuht wurden, bekam jede Gymnastin zu spüren. Andererseits hat gerade das Publikum in Saragossa vielleicht den letzten Anstoß gegeben, um deutlich auf die Probleme in der RSG hinzuweisen. Wenn die wirklich hochtalentierte Alina Kabajewa trotz Gerätverlusten 10 Punkte erhält und damit völlig unverdient (denn das Kind kann wahrlich nichts dafür) zur Unperson gebuht wird und die gleichzeitig fehlerlos agierende Jelena Witritschenko mit 9,700 (für nicht RSG-Kundige: Dies entspricht im Turnen etwa einer 9,000....) vom Teppich geschickt wird, muß man sich nicht wundern, wenn sich der Volkszorn entlädt. Es ist der UEG und vor allem seinem Präsidenten Klaus Lotz zu danken, dass er das Thema sofort behandelt hat, auf der Pressekonferenz UEG, mit rigorosen und unpopulären Maßnahmen, die sogar im Gegensatz zum geltenden FIG-Reglement standen. Weil allzu wahr ist - auch das haben die Wettkämpfe in Saragossa gezeigt - "die Leidtragenden sind immer die Gymnastinnen, und das tut weh", so der UEG-Präsident. Es ist schon schlimm genug, dass es soweit gekommen ist und sich fast alle irgendwie damit arrangiert haben, noch schlimmer wäre es, es jetzt, angesichts einer solchen Eskalation, die Probleme weiterhin zu tolerieren. Dass in einem Kampfgericht die Trainerinnen der Gymnastinnen sitzen, ist in vielen anderen Sportarten schlichtweg undenkbar. Dass Politik und landesinterne Machtkämpfe so schamlos auf dem Rücken von sehr jungen Sportlerinnen ausgetragen werden, sucht selbst im hartgesottenen Profisport seinesgleichen. Dass sich das ein internationaler Verband das so lange bieten lässt, ist zwar im internationalen Sport nichts neues, macht die Sache für die FIG aber auch nicht besser. Spätestens seit 1994 wird immer wieder über den Vorschlag eines semiprofessionellen oder professionellen Kampfrichterpools diskutiert – und die wirklich um Verbesserungen bemühte TK-Präsidentin Egle Abbruzzini (Italien) wird sich fragen lassen müssen, was in dieser langen Zeit effektiv wirklich erreicht wurde... Ganz abgesehen davon, dass die eigentlichen Bewertungen, selbst wenn sie einigermaßen objektiv vollzogen werden, jedem Außenstehenden schon völlig absurd erscheinen müssen (zwischen Platz 1 und Platz 15 der EM liegen 0,477 Punkte! Und mit 10 Punkten im Finale kann man vier verschiedene Plätze belegen!!!). Dass sich aber alle, die etwas verändern könnten, von einigen ganz wenigen Personen derart dominieren lassen, ist das wirklich Üble an der Sache. Und es wird nicht dabei bleiben: Das neue Reglement wird nach Sydney von vornherein verhindern, dass mehr als eine Handvoll Verbände eine entscheidende Rolle in der Weltspitze spielen können, weil die dort aufgezeigten Anforderungen unter normalen Bedingungen nicht mehr zu erbringen sind. Wer will sich das alles noch wie lange gefallen lassen? Zusehen, wie eine der schönsten Sportarten systematisch zerstört wird? Ende Juni wollen sich FIG und UEG gemeinsam mit dem Problem befassen. Damit nicht vielleicht die schlimmste der Befürchtungen wahr wird, die ein Journalist äußerte: Was passiert eigentlich, wenn das IOC die RSG aufgrund der dauernden Querelen aus dem olympischen Programm streicht? Sonja Schmeißer << LEON* Home << LEON* - Archiv . |