Leseprobe:

Anna Dogonadze-Lilkendey kämpft gegen

Das
Sydney-Syndrom


Wurde im Nachhinein* zur Weltmeisterin erklärt: Anna Dogonadze-Lilkendey

* Ein Fehler im der Berechnung des Schwierigkeitswerts der Übung von Irina Karavaeva (RUS) hatte zu einem falschen Endergebnis geführt

 

Von Sibylle Schmidt

Immer wenn sie an diesen kurzen Augenblick denkt, möchte sie sich irgendwie verkriechen, die Erinnerung ausblenden, besser noch auswischen. Und obwohl dieser Augenblick nun mittlerweile fast ein Jahr her ist, hat er an Klarheit nichts eingebüßt. Eigentlich ist er immer dann präsent, wenn Anna Dogonadze-Lilkendey zur Kür auf dem Trampolin ansetzt. "Ich werde noch einige Zeit brauchen, bis ich die Olympischen Spiele verkraftet habe", erklärte die gebürtige Georgierin, die bei den WM in Odense dreimal Silber gewann.

Rückblende: Es war der Premierenwettkampf des Trampolinturnens bei Olympia. In Sydney, am 22. September 2000 war Anna Dogonadze-Lilkendey auf dem Weg zu ihrem ganz großen Coup, nach der Pflicht war es keine Illusion mehr, dass sie die Erste sein könnte, die im Trampolinturnen Olympisches Gold holt. Für Deutschland, ihre Wahlheimat seit 1996.
Doch nach drei Tagen der fiebrigen Bettlägerigkeit kam in der Kür der Blackout, Anna Dogonadze verlor auf dem Tuch die Orientierung, musste abbrechen - statt Gold blieb nur Platz acht.
"Ich war ein Nichts in diesem Augenblick, mein Leben schien mit dieser Kür zertrümmert zu sein", sagt die sympathische Sportlerin, die trotz des innerlichen Chaos, trotz der Enttäuschung Stolz bewahrte. Als eine der wenigen deutschen Sportler verkroch sie sich nicht nach dem Debakel, stellte sich den schmerzhaften Fragen der Presse, suchte nach Erklärungen, nicht aber nach billigen Entschuldigungen. 

Ein Spiegelbild ihrer Persönlichkeit, denn Anna Dogonadze ist ein ehrlicher, offener Mensch - Gefühle werden gezeigt, man weiß, woran man bei ihr ist.

Zurück in die Gegenwart. Auch nach zehn Monaten, auch nach dem Gewinn der Silbermedaille bei den EM, nach dem Sieg bei den nationalen Titelkämpfen und nach den drei Silbermedaillen bei den WM jetzt in Odense merkt man der seit 1998 mit einem deutschen Pass ausgestatteten Athletin an
, dass sie Olympia nicht ganz vergessen kann.....

<< LEON* Home     << LEON* - Archiv
.