Leseprobe:
Das Interview

Im Gespräch mit dem FIG-Präsidenten Bruno Grandi

"Ich kämpfe und verliere - und das, obwohl ich der Präsident bin!"


Der 69-jährige Bruno Grandi ist FIG-Präsident seit 1996

Während der Finalwettkämpfe der Weltmeisterschaften in Anaheim/USA sprach LEON*-Mitarbeiterin Sandra Schmidt mit dem FIG-Präsidenten Bruno Grandi über Ziele, Überzeugungen und Visionen.

"Unser Sport braucht Sieger mit Persönlichkeit"

? Während der letzten Jahre hat es zunehmend Klagen - auch von Trainerseite - gegeben, was die Wertungsvorschriften betrifft, besonders im Bereich der Männer. Gibt es neue Ideen, die die Entstehung des kommenden Code optimieren könnten?

Ja, die Trainer sind aufgefordert, eine Arbeitsgruppe zu bilden, die dann mit den Technischen Komitees zusammen für den kommenden Code die Schwierigkeitstabellen erarbeitet. Wir sind sehr daran interessiert, die Trainer mitarbeiten zu lassen, da wir heute der Überzeugung sind, dass die Trainer an der Entstehung teilhaben müssen. Diese Arbeit muss bald beginnen, da die Technischen Komitees ja bereits im nächsten Juni die vorläufigen Tabellen präsentieren sollen.


? Es gibt immer wieder Medienberichte, aber auch Diskussionen innerhalb des Turnsports über das Alter der Turner und Turnerinnen - Stichworte "Zwerge, Maschinen, Kinderarbeit". Wird sich das Kunstturnen von diesem Bild irgendwann glaubhaft verabschieden können? Was halten Sie zum Beispiel von Wettkämpfen der JuniorInnen?

Das ist ein gutes Stichwort: Ich habe eine Abneigung gegen Wettkämpfe in der Kategorie Junioren und ich werde Ihnen erklären warum: In unserer Sportart gehen sowieso schon Athleten mit absoluten Höchstleistungen an den Start, wenn sie erst 16 Jahre alt sind. Das ist meines Erachtens den Kindern gegenüber - und es sind noch Kinder mit ihren 16 Jahren - nicht korrekt. Wir dürfen davon ausgehen, dass sie dann schon mindestens sechs, meistens aber acht oder zehn Jahre Training hinter sich haben.

 

Eine Turnerin mit Persönlichkeit ist auch die 23-jährige
Ludivine Furnon (FRA), Boden-Europameisterin 2000.
Foto: nbb press

Das gesamte, umfangreiche Interview ist in der neuen LEON*-Ausgabe nachzulesen - ein Abonnement lohnt sich!

Sie werden verstehen, dass das eine Tatsache ist, die der Persönlichkeit der Kinder Gewalt antut. Das Kind hat nicht wirklich eine Chance, denn es weiß noch nicht, was es vielleicht sonst gerne tun würde. Das einzige, was dieses Kind tun muss, ist, disziplinierende Befehle hinsichtlich seines Verhaltens auszuführen und sich enormen körperlichen und psychischen Belastungen auszusetzen. Es lebt seine Jugend und weiß nicht, was Jugend bedeutet. Ich kann Ihnen eine kilometerlange Liste von anderen Gründen nennen. Ich persönlich halte diese Praxis auf menschlichem Niveau für nicht korrekt.

 

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