Alexei Nemow:
"Frust pur.....!

Leseprobe:
So manches ging nicht mit rechten Dingen zu

Schuld und Sühne

Wertungsskandale, Zuschauerproteste und Fehlentscheidungen prägten die Wettkämpfe der Turner
- von Nora Schuler

Am Montagabend so gegen 22.00 Ortszeit war es offiziell: Der Wettkampf der Turner bei den Spielen der XXVIII. Olympiade war endgültig aus dem Ruder gelaufen. Johlend, pfeifend und buhend sorgten die etwa 10.000 Zuschauer in der Olympic Indoor Hall für einen Stopp des Wettkampfs. Nichts ging mehr.

Auslöser war die Note für Alexej Nemow am Reck, aber es entlud sich wohl auch der Frust der gesamten Woche. Nemow, der Mehrkampf-Olympiasieger von Sydney, hatte einmal mehr mit seinen spektakulären Flugteilen (zweimal Kovacs und dann die Verbindung von Tkatschew gestr.–Tkatschew–Tkatschew geb.–Gienger) das Publikum von den Sitzen gerissen. Danach die Note: 9.725 bedeuteten zu dem Zeitpunkt Platz drei. Das Protestpublikum, darunter auch Larissa Latynina und der Vorsitzende des russischen Sportkomitees Wjatscheslaw Fetisow, schrie, stand auf, zeigte den Kampfrichtern den nach unten gekehrten Daumen, skandierte “Nemow, Nemow”. Ein Zuschauer bastelte spontan ein Schild: “Judges, you suck!” (“Kampfrichter, ihr seid Müll!”)

Noch mehr Ungereimtheiten

Aber es ging nicht nur um Nemow. Am ersten Finaltag hatte Jordan Jowtschew an den Ringen das Nachsehen gegen einen deutlich vom Heimvorteil begünstigten Dimosthenis Tampakos. Und das Gerücht, die Surperior Jury hätte Tampakos’ Übung nur mit einem Ausgangswert von 9.5 bewertet, hielt sich hartnäckig. Am Sprung holte Marian Dragulescu Bronze, obwohl er bei seinem zweiten Sprung mit beiden Füßen außerhalb der Linie war und mit den Händen auffasste.

Und dann die Sache mit dem Mehrkampf...

Weltneuheit am Boden

Ri Jong Song aus Nordkorea turnte am Boden als erster Athlet einen Doppelsalto gehockt mit drei Längsachsendrehungen. „Ich hätte vorher nicht für möglich gehalten, dass man einen Dreifach-Tsukahara überhaupt machen kann. Und dann schraubt der Koreaner den auch noch in eine solche Höhe und so souverän – unglaublich, diese Weltpremiere!“, so kommentierte vom Krankenbett aus Ronny Ziesmer für die Internetagentur GYMmedia diese akrobatische Sensation.

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