Vanessa FERRARI:

Werner Mickler.
Diplom-Sportlehrer und Psychologe 
(Foto: Volker MINKUS)

Daria Bijak.
Ein ganz anderer Typ: gehört zu den psychisch stabilen Turnerinnen.
Foto: nbbpress

 

SPORTWISSENSCHAFT:

Das Beste aus der Athletin rausholen
Werner Mickler koordiniert die Arbeit der Sportpsychologen mit den Turnerinnen des Nationalkaders

Werner Mickler arbeitet seit zehn Jahren Mitarbeiter im Psychologischen Institut der Deutschen Sporthochschule Köln und ist als selbständiger Sportpsychologe tätig, so zum Beispiel im Olympiastützpunkt Köln und bei einigen Sportverbänden, darunter dem DFB. Außerdem betreut er die Herren-Mannschaft der Judoka und arbeitet mit verschiedenen Vereinen und Trainern. 
Als Ulla Koch im vergangenen Jahr Cheftrainerin der deutschen Frauen wurde, holte sie ihn ins Team.

LEON* sprach mit dem Diplom-Sportlehrer und ehemaligen Handballspieler.

? Können Sie Probleme benennen, die in der Arbeit mit den Turnerinnen besonders häufig auftreten?

W. M.: Ja, das haben wir ja auch heute wieder gesehen [bezieht sich auf die mäßigen Leistungen bei der 1. WM-Qualifikation]. Das Hauptproblem besteht darin, dass leider unsere Athletinnen nicht in der Lage sind, ihre Trainingsleistungen im Wettkampf zu zeigen. Wenn sie das schaffen würden, wären wir einen Riesenschritt weiter.
Die Herausforderung besteht darin, dass hier sehr viele Faktoren eine Rolle spielen. Ein Beispiel ist: sich in der Öffentlichkeit zu zeigen. Da gibt es allein schon von der Mentalität her sehr große Unterschiede. Wenn man das mit Amerika vergleicht: Dort freuen sich die Turnerinnen auf den Wettkampf und wollen sich zeigen. Hier bei uns geschieht das zu wenig, da vermisst man oft diese Haltung: Jetzt will ich zeigen, was ich drauf habe!

? Was würden Sie sagen – auch im Vergleich mit anderen Sportarten, in denen Sie arbeiten –, warum bei den Turnerinnen ein so großes Defizit an Selbstvertrauen besteht?

W. M.:  Das hat mit den Erfahrungen zu tun, es ist ja fast eine ‚selbsterfüllende Prophezeiung’, die dahinter steht. Wenn ich gute Erfahrungen bei Wettkämpfen gemacht habe, dann komme ich auch irgendwann in eine Positivschleife hinein. Wenn ich aber merke: ‚Wir haben die Quali nicht geschafft, dann haben wir die Olympia-Quali nicht geschafft, dann habe ich mich da wieder nicht qualifiziert’ – dann bleibt das in den Köpfen der Turnerinnen natürlich hängen.

? Aber genau diese Erfahrung hat ja zum Beispiel eine Daria Bijak auch mehrmals mitgemacht, und doch scheint sie eine andere Haltung zu haben, oder?

W. M.:  Daria ist ein ganz anderer Typ. Sie ist die Ausnahme von der Regel, sie hat eine ganz andere Motivationslage und geht mit den Erfahrungen ganz anders um. Es wäre schön, wenn alle so wären, aber so ist es leider nicht. Sie ist psychisch so stabil, da braucht man von psychologischer Seite kaum zu arbeiten.

Zitat:   „Das Hauptproblem besteht darin, dass leider unsere Athletinnen nicht in der Lage sind, ihre Trainingsleistungen im Wettkampf zu zeigen. Wenn sie das schaffen würden, wären wir einen Riesenschritt weiter.“

Das vollständige Interview ist in LEON* nachzulesen
                                                         – 
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