... am Runden See bei Moskau:


'Das Zentrum am Ende einer langen Straße …

Die russische Legende „Runder See“

Geduld und Tradition
Ein Besuch im berühmten Trainingszentrum der russischen Turnerinnen und Turner „unweit“ von Moskau

Wer an den Runden See will, muss Geduld haben. Auch wenn die Trainingsstätte der russischen Turnnationalmannschaft häufig als „in der Nähe von Moskau“ beschrieben wird, trifft es das nicht so ganz. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist es ein recht umständlich: mit der Vorortbahn ins Städtchen Lobnja, von dort aus sind es noch gut 12 km bis zum See.

Wenn man einmal angekommen ist, wirkt die Umgebung wie aus einem russischen Roman – das Zentrum befindet sich am Ende einer langen Straße und umgeben von Birkenwäldern. Fehlt nur der russische Bär. In der Abgeschiedenheit erinnert nur der gelegentliche Fluglärm vom 20 Minuten entfernten internationalen Flughafen Scheremetjewo an die Hektik der russischen Hauptstadt. 

Aber seit gut einem Jahr müssen sich die Bewohner an dauernden Baulärm gewöhnen – das Zentrum wird gerade komplett renoviert.

Starke Lobby für den Sport

Die Sportler bewohnen zu zweit oder dritt ein Zimmer. „Ich will, dass die Athleten hier das Gefühl haben, sie kommen nach Hause und nicht ins Gefängnis“, sagt Andrei Rodionenko, der Cheftrainer aller russischen Turnerinnen und Turner.

Über die genaue Summe, die die Umbaumaßnahmen gekostet haben, schweigt man sich aus. Es sei „viel“. Finanziert wird das Trainingszentrum vom Staatlichen Komitee für Körperkultur und Sport. Dessen Vorsitzender, der ehemalige Eishockey-Star Wjatscheslaw Fetisow, ist der Schwiegersohn Rodionenkos. 
Fetisow spielte in der US-Profiliga NHL, bis ihn Russlands Präsident Wladimir Putin in die neue Position holte. Zusätzliche Unterstützung erfährt der russische Turnverband vom Sponsor Wneschtorgbank, der auch Preisgelder bei nationalen Meisterschaften zur Verfügung stellt. Bankchef Andrej Kostin ist auch gleichzeitig Verbandspräsident.



Das neue, moderne Wohnheim. 


Die Hallen sind mit modernsten Geräten ausgestattet, 
u. a. von "Offiziellen WM-Ausstatter SPIETH Gymnastic, Deutschland.

Sowjethymne und Zarenadler

Seit 2001 wird für Goldmedaillengewinner auch wieder die sowjetische Hymne gespielt, wenn auch der Text überarbeitet wurde. Ironie der Geschichte – auf den Anzügen der russischen Stars prangt statt Hammer und Sichel nun der alte Zarenadler. 

Die Sowjetunion mag untergegangen sein, aber sie lebt in den Trainingsplänen und dem Know-how tausender Trainer weiter, die ihr Wissen in alle Winkel der Welt trugen.

Die komplette dreiseitige Exklusiv-Reportage von Nora Schuler können Sie in der LEON*-WM-Ausgabe lesen – ein Abonnement lohnt sich!

<< zurück zur Startseite         << zurück zur Übersicht 04 / 2007