Vater und Sohn

Mitsuo Tsukahara als Trainer bei den Olympischen Spielen 2004 
mit seinem Sohn Naoya, der 1999 Vizeweltmeister im Mehrkampf und in Athen mit dem Team Olympiasieger war.
Foto: Volker Minkus

 IM INTERVIEW
Der berühmte Altmeister der „Kreativen“, Mitsuo Tsukahara

„Wir wollten nicht die alten Teile runterleiern“
Der 60-jährige japanische Turnfunktionär über seine Erfindungen, die Kreativität im Turnen und die Probleme des aktuellen Regelwerks

Fast vier Jahrzehnte liegt seine Erfindung jetzt zurück. Doch auch heute noch wird Mitsuo TSUKAHARA immer noch in fast allen Turnhallen der Welt erkannt und um Autogramme oder Fotos gebeten.

Angeblich haben Sie den „Tsukahara“ ohne Schnitzelgrube erfunden, gleich mit harter Landung. Wie geht das?

M. T.: -- Naja, mit Mut eben. Etwas Sicherheit hatten wir schon, wir haben ein paar weiche Matten aufeinander gelegt, das musste reichen.

Hatten Sie Angst, bevor Sie 1972 den Mondsalto, wie der Tsukahara vom Reck lange bezeichnet wurde, zum ersten Mal geturnt haben?

M. T.: --  Ich hatte nur Angst, ob die FIG das Element anerkennen würde – ich hatte es vorher nämlich nicht eingereicht, sondern einfach im Wettkampf gezeigt. Aber Angst, ob ich es schaffe, hatte ich keine. Ich war eher ein wenig nervös, wie die Leute reagieren würden.

War Ihre Erfindung denn eine einmalige Sache oder steckte da ein gewisser Pioniergeist dahinter, der Sie auch heute noch prägt?

M. T.: --  Ich war ein Turner, der alles anders machen wollte als die anderen. Ich wollte immer ausprobieren, immer etwas Neues erfinden – an den Geräten. Im Alltag bin ich aber eher bequem. Ich finde, im Leben außerhalb des Sports sollte alles seinen geregelten Weg gehen.

Nach ihnen benannt sind zwei Elemente: Der Doppelsalto mit Schraube am Reck und am Sprung eine Radwende mit anschließendem Salto rückwärts. Haben Sie sich noch an anderen Übungsteilen versucht, die später nicht aufgeführt wurden?

M. T.: --  Naja, manche habe ich auch international gezeigt, sie tragen aber nicht meinen Namen. Zum Beispiel habe ich bei den Olympischen Spielen von Montreal die Schwalbe an den Ringen erfunden. Ich konnte einfach keine Stützwaage.

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