... auch der Turn-OLYMP ist nicht nur durch "Papierform" zu erklimmen!

Dem Sturz beim „Adler-Ganze..“ (Foto) im Teamfinale folgte im Mehrkampffinale der Abgang nach dem Kolman. Mit großem Kampfgeist turnte sich Fabian schließlich noch zu Bronze.
Gold gab’s für Zou Kai, Silber für Jonathan Horton.
Foto: Volker Minkus

Vorschusslorbeer kann unangenehme Folgen haben

G O L D F I E B E R
Fabian Hambüchen wurde in Peking schmerzhaft
aus seinen olympischen Träumen gerissen


Fabian Hambüchens Olympiageschichte von 2008 ist auch eine typische Mediengeschichte.

In den Monaten zuvor wurde der „Turnfloh“ (auch so eine abgedroschene Metapher) angesichts guter Wettkämpfe und in der Tat ausgezeichneter Reckvorträge („Weltrekord!“) Stück für Stück mehr in den Himmel geschrieben, bis er selbst daran glaubte, für den Olymp bestimmt zu sein.
Doch mit dem anvisierten Reck-Gold nicht genug: „Wird’s in Peking Doppel-Gold?“ fragte nach dem EM-Sieg sensationsheischend das Vier-Buchstaben-Blatt, weil der normale Superlativ wohl schon nicht mehr der Leseraufmerksamkeit genügte.

Was jeder Fachmann weiß, fand sich in keinem Zeitungsartikel: Dass im Turnen selbst der größte Könner ganz schnell tief fallen kann, zumal am Reck. Dort, wo es um Bruchteile von Sekunden geht, um Millimeterarbeit bei den Salti und Flügen über die Stange, ist auch der Misserfolg nicht weit entfernt.

Von psychischen Ausnahmesituationen wie die Atmosphäre bei Olympischen Spielen ganz zu schweigen. Aber solche Bedenken verkaufen sich nicht gut, schon gar nicht bei einer Boulevardzeitschrift – die ansonsten schon mal gern Details erklärt, z. B. dass Fabians Hornhautschwielen an den Händen vom Bodenturnen stammen.

„Wenn die ganze Zeit von Gold geredet wird“, so zitierte nach dem verpassten Olympiasieg ausgerechnet wieder BILD ihren Lieblingsturner,
„dann dreht man selbst irgendwann am Rad“.

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Vierter am Barren: So gut war an diesem Gerät seit Sven Tippelts Bronzemedaille 1988 noch nie ein deutscher Turner bei Olympia.
Foto: Volker Minkus